Camp Moria
Die aktuelle Entwicklung
Iordanis Georgiou von der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International berichtet über die aktuelle Lage der Flüchtlinge aus dem Lager Moria nach dessen Brand:
Gestern Nacht gab es wieder Brände in Moria. Es gibt starke Winde und das hat im Lager wieder Brände verursacht. Die Gebiete zwölf und elf verbrannten jetzt völlig. Das war dort, wo wir unsere Schule und die Nähfabrik hatten. Wir prüfen, was wir noch retten können. Jetzt sind alle Flüchtlinge draußen auf der Straße. Das Vorhaben der Regierung, sie in Miltärkasernen unterzubringen, hat diese nicht mehr verwirklicht, aus Angst dass sich die Soldaten mit Corona infizieren. So haben alle draußen auf der Straße geschlafen.
Heute früh haben Dorfbewohner und auch Faschisten Baufahrzeuge daran gehindert, dass verbrannte Moria zu reinigen und den Schutt wegzubringen. Sie bauten Barrikaden auf der Straße von Larso damit diese nicht weiterfahren können. Diesmal waren auch Bürgermeister und Beamte der Kommune von Mitilini dabei. Sie wollen verhindern, das Moria wieder aufgebaut wird.
Von der Regierung in Athen wissen wir, dass diese sich in Sachen Flüchtlinge immer mit Europa abspricht. Der konkrete Plan sieht so aus: Sie haben heute 400 Kinder mit Flugzeugen nach Thessaloniki gebracht. Sie wollen auf Lesbos - auf einem anderen Platz - sehr schnell etwas aufbauen. Den Ort verraten sie nicht.
Es soll für 6000 Flüchtlinge Platz geschaffen werden. So lange sollen die Flüchtlinge auf der Straße leben und schlafen. Wir haben gerade Zelte gekauft und drei Paletten Wasser. Wir wollen die Zelte auf der Straße aufbauen, damit die Kinder und die alten Leute einen kleinen Schutz bekommen. All diese Pläne zeigen, dass sie die Flüchtlinge nicht aus Lesbos rauslassen wollen. Das ist der Plan der EU. Dieser Plan, die Menschen auf der Straße zu lassen, ist Menschenverachtung. Wir werden jetzt - soweit es geht - mit der Selbstorganisationen zusammen wieder eine kleine Struktur aufbauen.