Moria
Corona-Fall auf Moria – es schlug ein wie eine Atombombe ...
Das berichtet Michalis Aiwaliotis, Partner des Solidaritätspakts zwischen "Solidarität International" und "OXI" auf Lesbos, der uns folgenden Gastbeitrag über SI Emscher Lippe zur Verfügung gestellt hat:
Heute auf der Insel war alles voller Aufregung, also ob eine Atombombe geworfen worden sei. Wir haben selber Angst vor dem Virus. Aber alle, die Regierung, die Polizei und auch EU-Vertreter, fuhren mit ihren Autos kurz vor das Camp, stiegen aus und verteilen Befehle. Alle erzählen, dass keiner das Lager verlassen darf und niemand Neues reindarf. Die Ausgangssperre wurde verschärft.
Es war ein 40-jähriger aus Somalia, der sich infiziert hat. Er war im Lager, hat Asylrecht erhalten und konnte so das Lager verlassen und lebte auf den Straßen in Athen. Am 28. August ist er wieder ins Camp zurück und lebte in einem eigenen Zelt auf dem Olivenhain. Aber er bewegte sich natürlich frei, er stand wie alle Flüchtlinge - es sind tausende - bei der Essensausgabe usw.. Es ist also fast unmöglich, seinen Weg zu verfolgen. Er bekam Fieber und Atemprobleme und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er positiv getestet wurde. Es ist nicht klar, wo er sich angesteckt hat. Es sind wie gesagt Ärzte und Experten aus Athen da und wollen alles untersuchen. Aber das Wichtigste, alle Flüchtlinge im Camp zu testen, haben sie nicht angeordnet.
Es sind schreckliche Schicksale, die diese Menschen durchmachen. Sie schaffen es, aus Somalia nach Lesbos zu fliehen, bekommen hier Asyl und werden dann auf die Straße geworfen ohne jegliche Unterstützung. Solange sie im Camp sind, bekommt jeder noch was zu essen - draußen in den Straßen von Athen und Thessaloniki ist man hilfslos allein gelassen. Es gibt keine Arbeit, keine Wohnung, keine Unterstützung vom Staat, man ist nur auf die solidarische Unterstützung der Bevölkerung angewiesen.
Unsere Arbeit hat sich erschwert. Ich habe auch meine Helfer nur reingelassen, wenn alles clean ist. Die selbstorganisierten Gruppen „White Helmets“, MoriaCoronaAwarenessTeam / Moria Corona-Aufklärungsteam machen hervorragende Arbeit. Es zeigt sich, wie wichtig Selbstorganisationen sind. Dank eurer Nähmaschinen und eurer Stoffe werden rund um die Uhr Masken genäht. Danke nochmals an die Frauenorganisation Courage für ihre Spenden. Unsere Hauptarbeit ist zur Zeit Aufklärung mit allem, was uns zur Verfügung steht.
„Die am Wochenende stattfindende Bundesdelegiertenversammlung von Solidarität International wird Aktionen beraten, wie der Protest zur Evakuierung von Moria und allen anderen Flüchtlingscamps verstärkt werden kann, es geht um Menschenleben!“ so Marlies Schumann von SI Emscher-Lippe.
Im März wurde vom Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in Solidarität International eine Petition gestartet, u.a. mit der Forderung: Sofortige Auflösung und vollständige Evakuierung aller EU-Lager an den Außengrenzen Europas! Die EU muss zahlen – Europa ist reich genug!
Dies war richtungsweisend und genau richtig. Der Widerstand gegen die Weigerung der EU und Innenminister Seehofer, die Lager aufzulösen, muss verstärkt werden. Statt etwas mehr als 4.500 Unterschriften braucht die Petition jetzt eine ganze Flut von Unterschriften und mehr! Zum Zeitpunkt der Erstellung der Petition waren auch andere diesbezügliche, aber deutlich schwächer formulierte Petitionen wie z.b. von Sven Giegold, der für die Grünen im Europaparlament sitzt, im Umlauf, die deutlich mehr Unterstützung bekamen. Jetzt zeigt sich, dass härter gekämpft werden muss – jetzt ist die Stunde unserer Petition! SI Emscher-Lippe nimmt gern alle Vorschläge, am besten auch Selbst-Verpflichtungserklärungen auf, was man tun möchte, um die Auflösung der Lager zu zu erreichen und dabei die Petition in aller Munde zu bringen. Hier die E-Mail-Adresse: marlies.schumann@gmx.de
Hier geht es zur Petition "Corona - Flüchtlinge retten - Abschiebung stoppen - sofort!"
Unterschreibt und verbreitet sie! Es geht um Menschenleben!