MLPD
Fridays for Future: Offener Brief an die Schülerinnen, Schüler und Studierenden
Letzte Woche hat der REBELL Gelsenkirchen in der "Stadt der tausend Feuer" die Initiative für eine Fridays-for-Future-Demonstration ergriffen. Es kamen 250 Jugendliche. Darüber hat sich in Gelsenkirchen eine Massendiskussion mit Berichten in den Medien entwickelt. Am morgigen 22. März wird es eine weitere Demonstration geben.¹ Dazu hat die Jugendpolitische Sprecherin der MLPD, Lisa Gärtner, den folgenden Offenen Brief verfasst:
In den letzten Tagen wurde viel über uns diskutiert, deswegen wende ich mich direkt an euch.
Zunächst einmal unterstützen wir es sehr, dass weltweit über 1,5 Millionen Jugendliche bei FFF demonstrieren! Das ist ein klares Zeichen, dass in der Gesellschaft Mensch und Natur endlich im Mittelpunkt stehen müssen. Denn das ist im Kapitalismus heute nicht der Fall.
Ich war früher selber Schülersprecherin an einer Gesamtschule und weiß, wie viel Arbeit in solchen Aktionen steckt.
Protestbewegungen waren in der Geschichte immer dann stark, wenn sie über parteiliche, weltanschauliche, nationale oder religiöse Grenzen hinweg für das gemeinsame Anliegen kämpften. Das ist der Sinn des Begriffs "überparteilich". Rassisten und Faschisten müssen davon ausgenommen werden, weil sie für Spaltung, Hetze und Menschenfeindlichkeit stehen. Eine kämpferische Umweltbewegung mit vielen Parteien, Organisationen und parteilosen Einzelpersonen hat es 2011 geschafft, dass die Atomkraftwerke in Deutschland stillgelegt werden.
Es gab Zeiten in Deutschland, da durften fortschrittliche Organisationen nicht offen auf der Straße auftreten, ihre Fahnen waren verboten. Das richtete sich schon immer vor allem gegen Kommunisten als konsequenteste Kritiker von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung. Es war ein wichtiger Fortschritt, dass das Koalitionsrecht eingeführt wurde. Seitdem haben Parteien, Jugendverbände oder Gewerkschaften das demokratische Recht, frei und offen ihre Gesinnung zu vertreten. Weltweit versuchen manche Regierungen, dieses Recht mit Füßen zu treten. Meiner Überzeugung nach ist es im Interesse jeder fortschrittlichen Jugendbewegung, dieses Recht zu verteidigen. Ich halte außerdem auch nichts davon, "undercover" aufzutreten und hintenrum seine politischen Interessen durchzusetzen. Lieber spricht man offen und ehrlich und jeder weiß, woran er ist.
Etwas anderes ist es, wenn eine Partei versucht, eine Jugendbewegung zu bevormunden. Eine solche Bevormundung lehnen wir aus prinzipiellen Gründen ab. Wir treten so auch für das Wahlrecht ab 16 Jahren ein. Ihr seid alt genug und habt euren eigenen Kopf, um euch anhand von Argumenten und der Praxis eine eigene Meinung zu verschaffen. In Wirklichkeit ist es doch andersrum: Es ist eine Bevormundung, wenn Kräfte wie der Jugendverband REBELL und andere Kapitalismuskritiker ausgegrenzt werden. So wird eine freie Meinungsbildung unterdrückt.
Wir haben also natürlich nicht vor, euren morgigen Protest zu „vereinnahmen“. Als langjährige Umweltschützer werden wir natürlich mit ein paar Mitgliedern kommen, ein Schild mit unserer wichtigsten umweltpolitischen Forderung tragen sowie Informationsmaterial mitbringen. Wir respektieren, dass dies ein Schüler- und Jugendprotest ist und werden nichts dominieren. Die MLPD hat natürlich "Know-How", das wir gerne einbringen. Letzte Woche haben wir euch zum Beispiel unsere Lautsprecheranlage zur Verfügung gestellt, ohne deshalb Einfluss auf die Inhalte der Redebeiträge zu nehmen.
Eins möchte ich noch sagen: Ich vermisse bei Einzelnen den Respekt vor den Mitgliedern des Jugendverbands REBELL, die sich nun schon seit Monaten und Jahren organisiert für den Umweltschutz, gegen Nazis und gegen Sexismus, für Arbeitsplätze oder gegen Kinderarmut engagieren. Ohne die Initiative der Ortsgruppe des REBELL hätte es FFF in Gelsenkirchen gar nicht gegeben! Es ist das Recht jedes Aktivisten bei FFF, eine andere Meinung als der REBELL zu haben – und so wie ich die Gelsenkirchener Rebellen kenne, scheuen sie keine sachbezogene Diskussion. Aber wer hat das Recht, seine Ortsgruppe auszuschließen? Eine solche Spaltung nützt keinem, dem es wirklich um den Schutz der Umwelt geht.
Bei Rückfragen und Diskussionsbedarf könnt ihr euch gerne an mich oder andere MLPD-Mitglieder wenden.
Ich wünsche euch morgen viel Erfolg!
Hier gibt es ein Video zur Fridays-for-Future-Aktion in Gelsenkirchen